Tags
Forschung
Sound Art
Installation

artists
Lea Luka Sikau

Länge
30 Minuten

Date
Entstehungszeitraum: September 2024

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Stuff change entstand aus einer zentralen künstlerischen Faszination: der asymmetrischen Beziehung zwischen Lesbarkeit, Kontrolle und Unkontrollierbarkeit von Sounds des menschlichen Körpers.

Im Gesangsstudium lernte ich, auf stimmliche Gesundheit zu achten, um mich technisch weiterzuentwickeln. Als Mezzosopranistin und Interpretin Neuer Musik habe ich meine Stimme in alle Details hinein modelliert – sie ist das ultimative Instrument der Kontrolle, lesbar, trainierbar, manipulierbar.

Der Bauch aber kommuniziert ständig und entzieht sich jeder Kontrolle und Lesbarkeit. Diese fundamentale Spannung zwischen hochtrainierter Stimme und unkontrollierbaren Verdauungsprozessen ist der epistemische Ausgangspunkt von Stuff change. Gleichzeitig verfügt der Bauch über einen enormen akustischen Reichtum und Versatility: Gurgeln, Rumoren, Blubbern, sirenenähnliche Sequenzen. Dieser akustische Reichtum wird systematisch zum Schweigen gebracht: stigmatisiert, pathologisiert, versteckt.

Stuff change ist eine vibroakustische Installation mit einer 30-minütigen elektroakustischen Komposition (»Gutscape«). Ich transformierte aufgezeichnete Bauchgeräusche von Patient*innen mit Stoma ebenso wie von gesunden Menschen in eine mehrkanalige räumliche Komposition. Diese zirkuliert in einer sechs Meter großen Skulptur und durch Ambisonics im Raum. Außerdem wird sie durch Vibrations-Aktuatoren fühlbar und verändert sich live durch die Präsenz anderer Besucher*innen, dessen Bäuche live aufgezeichnet und ins Soundsystem gespielt werden. Das Projekt funktioniert als musikalische Entstigmatisierung indem Bauchgeräusche räumlich orchestriert und kompositorisch behandelt werden.

Das Format ist installativ und performativ adaptierbar. Derzeit ist es ausgestellt in der Science Gallery Bengaluru in Bangalore sowie der Kunsthalle Prag.

Research process "stuff change"
Research process "stuff change"