Patrícia Pinheiro begreift Musik als direkteste Verbindung zu ihrer eigenen Körperlichkeit. Es ist der Raum, in dem sie ihrer menschlichen Erfahrung in all ihrer Verletzlichkeit und Stärke begegnet und sich am ehrlichsten wahrnimmt. Inspiration findet sie in Menschen, Bäumen und dem Unbekannten, wobei sie bewusst auf feste Referenzen verzichtet, um aufmerksam für ihren eigenen, täglichen Weg zu bleiben.

Tief geprägt hat sie ihre Großmutter, deren radikale Einfachheit und urteilsfreie Beobachtung der Welt als Vorbild dienen. In ihrer Kunst möchte Patrícia Räume radikaler Empathie schaffen – Momente des echten Daseins, in denen Menschen sich begegnen und etwas Wesentliches teilen. Sie liebt es, für Freund*innen zu kochen oder sich bei der Arbeit mit Keramik und Stickerei zu entspannen. Den nötigen Ausgleich schenkt ihr die Natur, ob am Meer in Portugal oder in Parks in Deutschland.

Vita

Inspiriert von den Geschichten ihres Großvaters, der die portugiesische Tradition der mündlich überlieferten Gesänge lebendig hielt, fand Patrícia Pinheiro früh ihre eigene Stimme – mit und ohne Oboe. Nach ihrem Bachelorstudium in Portugal zog sie mit 21 Jahren nach Deutschland, um an der HfMDK Frankfurt ihren Master zu absolvieren. Seitdem tritt sie europaweit auf, unter anderem mit dem HR-Sinfonieorchester, dem Ensemble Modern, den Ensembles Ulysses mit dem Ensemble Intercontemporain, Reflektor und Asambura.

Sie war bei Festivals wie Manifeste Paris, Kunstfest Weimar, Impuls Graz und dem Warschauer Herbst zu hören. Ebenso arbeitet sie regelmäßig in interdisziplinären Formaten – zuletzt in Solastalgia, einer Produktion des Schauspiel Frankfurt, die beim Kunstfest Weimar Premiere feierte.

Improvisation – oft jenseits der Oboe – bildet einen zentralen Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis: 2023 trat sie gemeinsam mit Tarek Atoui in Extended Playground (GFZK Leipzig) auf.

Als TONALI-Stipendiatin entwickelt sie derzeit À Mesa, ein künstlerisches Interventionsprojekt in Portugal. Von Oktober 2024 bis September 2025 war sie Teil der International Ensemble Modern Academy, gefördert durch die Kunststiftung NRW. Seit 2026 ist sie Teilnehmerin bei TRANSIENT und beim Concerto21.

© Sophia Hegewald